Einblick in die faszinierende Welt des Orgelbaus
Am 10. Juni 2025 durften wir unser KISS Kafi in einem ganz besonderen Rahmen durchführen: zu Gast bei der Mathis Orgelbau AG in Luchsingen. Begrüsst wurden wir herzlich von Geschäftsführer Franz Höller und Pavel Jetzig, die die 33 Teilnehmenden in zwei Gruppen aufteilten und uns jeweils persönlich durch den traditionsreichen Betrieb führten.
Zu Beginn jeder neuen Orgel steht nicht etwa modernste Technik, sondern klassisches Handwerk: Die Planung beginnt mit Bleistift und Papier. Erst danach folgen digitale Konstruktionsschritte. Jede Orgel, so erfuhren wir, ist ein Unikat – individuell entworfen und gebaut, passend zu den räumlichen Gegebenheiten des künftigen Standorts.
Holz ist der wichtigste Werkstoff: Fichte, Eiche, Ebenholz, Nussbaum oder Kirsche – je nach Klangvorstellung und Funktion. Besonders eindrucksvoll war die hauseigene Herstellung der hölzernen Orgelpfeifen. Die Orgelpfeifen funktionieren quasi wie eine Blockflöte. Auch Metallpfeifen kommen zum Einsatz. Aus wirtschaftlichen Gründen stellt die Firma diese seit 2016 nicht mehr selbst her, die entsprechenden Maschinen wären aber noch vorhanden. Stattdessen bezieht man sie von der Pircher Orgelpfeifenbau AG in Riedern GL – einem Betrieb, der von einem ehemaligen Mitarbeiter der Mathis Orgelbau AG geführt wird. Jede Pfeife wird für einen Ton einer bestimmten Klangfarbe und Lautstärke gebaut, so dass in einer Orgel eine Vielzahl unterschiedlicher Pfeifen vorhanden sind (in größeren Orgeln mehrere tausend). Einer der wichtigsten Arbeitsschritt ist die Intonation. Die gefertigten Pfeifen geben zwar schon einen Ton, aber im Sinne des gewünschten harmonischen Gesamtklangs und der Abstimmung mit den anderen Pfeifen (eines Registers) muss dieser noch "veredelt" werden. Das Intonieren ist eine Kunst, die viel handwerkliches Geschick, Fingerspitzengefühl und die Fähigkeit, Obertöne zu hören, erfordert.
Die Wurzeln des Unternehmens reichen zurück ins Jahr 1960, als Manfred Mathis den Betrieb in Näfels gründete. 2016 übernahmen die langjährigen Mitarbeiter Franz Xaver Höller und Hubert Stucki die Leitung. Drei Jahre später erfolgte der Umzug an den heutigen Standort in Luchsingen. Heute arbeiten 14 Personen im Unternehmen, darunter zwei Lernende. Die Ausbildung zum Orgelbauer dauert vier Jahre und ist äusserst vielfältig: Sie erfordert ein feines Gespür für Materialien wie Holz, Metall und Leder, ein gutes musikalisches Gehör – und vor allem eine grosse Leidenschaft für das Handwerk. Nach der Lehre dauert es in der Regel mindestens sechs weitere Jahre, bis man das gesamte Fachwissen wirklich beherrscht.
Der Schwerpunkt der Firma liegt auf der Wartung und Pflege bestehender Orgeln. Diese werden jährlich gestimmt, und etwa alle 25 Jahre wird jede einzelne Pfeife von Hand gereinigt. Aktuell entstehen zwei neue Orgeln: Eine davon wird als Hausorgel nach Taiwan geliefert, die andere ersetzt die bestehende Orgel im Kloster Seedorf (UR).
Nach diesem spannenden Einblick in die hohe Kunst des Orgelbaus durften wir im Eingangsbereich der Werkstatt bei Kaffee und Kuchen den Nachmittag gemütlich ausklingen lassen – reich beschenkt mit neuen Eindrücken und grossem Respekt vor diesem einzigartigen Handwerk.