Herr Rafael Mersmann begrüsste uns zur bevorstehenden Führung durch die möbelfabrik horgenglarus. Diese wurde 1880 in Horgen gegründet und 1902 mit dem Werkstandort Glarus erweitert und ist die älteste Stuhl- und Tischmanufaktur der Schweiz. Zu Beginn wurden in Glarus Wienerstühle aus Bugholz hergestellt. Damals waren in Glarus gut 200 Mitarbeiter angestellt, heute sind es insgesamt 45, davon 35 in der Produktion. Herr Mersmann zeigte uns sämtliche Werkschritte bis zur Fertigstellung eines Stuhls. Zu über 70 Prozent werden die Möbel aus 80 bis 100 jährigem Buchenholz hergestellt. Dieses wird seit 90 Jahren vom Familienunternehmen Corbat AG aus dem Jura geliefert und entspricht den hohen Qualitätsansprüchen. Nach dem Schlag der Bäume wird das Holz noch zwei Jahre im Jura gelagert und erst dann in Form von Brettern zur Weiterverarbeitung nach Glarus geliefert. Nur beste Stücke werden verwendet, der Kern und das Splintholz werden aus den Brettern rausgeschnitten, zu Schnitzeln verarbeitet und für die Beheizung der Firma und die Trocknung der geformten Hölzer verwendet (kein Abfall). Die zugeschnittenen Latten werden im Dampfbad für ca. 2 Stunden biegsam gemacht. So können sie gebeugt und in einer Form während 10 Tagen in der Trocknungskammer bei 60 bis 70°C getrocknet werden. Durch das Beugen (anstatt Zuschneiden) entsteht kein Verschnitt, die Qualität des Stuhles ist höher und die Maserung des Holzes bleibt sichtbar. Wir durften beim Beugungs-Prozess zuschauen und staunen, wie ein massiver Ring für die Sitzfläche entsteht. Der Ring wird im Anschluss von Hand zugeschnitten und zusammengeleimt. Für das effiziente Zuschneiden von Beinen und Lehnen werden computergesteuerte CNC-Fräsen eingesetzt. Der letzte Schliff erfolgt jedoch weiterhin von Hand. Einige wenige Stuhlmodelle werden aus Einzelteilen zusammengesetzt, der Vorteil dieser Herstellung ist, dass diese Stühle stapelbar sind. In den Werkhallen ist es warm, staubig und sehr laut. Die Mitarbeitenden tragen Gehörschutz und teils Staubmasken. Eindrücklich ist dann zu sehen, wie aus dem Sitzring, den beiden Vorderbeinen und der Rücklehne, welche mit den Hinterbeinen aus einem Stück Holz besteht, ein fertiger Stuhl wird. Auf dem Weg zur Lackiererei entdeckten wir an einer langen Wand für jedes Stuhlmodel die Originalteile, welche früher als Vorlage galten. Heute sind alle Modellpläne digital gespeichert. Die Stühle werden gebeizt, dann nochmals fein geschliffen und je nach Wunsch des Kunden eingefärbt. Der Mitarbeiter in der Lackiererei bringt dazu 45 jährige Erfahrung mit. Einige Sitzflächen bestehen aus einem von handgefertigtem Geflecht, andere werden gepolstert. Dazu wird auf Schaumstoff und etwas Watte ein auf die richtige Grösse zugeschnittenes Kuhlederstück befestigt und dann auf dem Stuhl montiert. Unsere Mitglieder durften sich bei den Lederabschnitten bedienen. Nachhaltigkeit ist für die möbelfabrik horgenglarus seit deren Gründung wichtig. Deshalb sollen die Stühle so lange halten, bis der Holzrohstoff wieder nachgewachsen ist. Im Schauraum durften wir die fertigen Stuhl- und Tischmodelle bewundern und Herrn Mersmann für den äusserst interessanten Einblick in die Stuhlmanifaktur danken. Im Anschluss gab es einen geselligen Ausklang nebenan in der Bücherhandlung Wortreich.